Plan von P.Schmidtz aus dem Jahr 1691

Die Entstehung der historischen Burg Vechta


Nach der fränkischen Landnahme unter Karl d.Gr. im 8./9. Jahrhundert wurde das Land im heutigen Oldenburger Münsterland an die Kirche zum Aufbau von Bistümern, Klöstern und Kirchen vergeben. Die größten Schenkungen erhielten die Reichsklöster in Werden und Corvey sowie das Bistum Osnabrück.
1076/1077 kam es zum so genannten Osnabrücker Zehntstreit zwischen Osnabrück und den Klöstern Corvey und Herford. Mit unechten und echten Urkunden setzte Benno II. seine Machtansprüche gegen Corvey bei König Heinrich IV. durch. Diesen hatte er als einer der wenigen Getreuen auf seinem Bußgang nach Canossa begleitet und zum Dank dafür den Bischofsstuhl in Osnabrück erhalten. Er entschied den Streit für sich und erhielt dabei auch den Zehnten von Vechta sowie die damit verbundene Judikative. An der Furt baute er um 1080 die erste Burg Vechtas. Im Schutze der Burg wuchs die ursprüngliche Siedlung und erhielt das Osnabrücker Stadtrecht sowie das damit verbundene Zoll-, Münz- und Marktrecht. Machtansprüche lassen sich aber nur mit Hilfe starker lokaler Kräfte durchsetzen. Es ist anzunehmen, dass er diese u.a. durch die Grafen von Calveslage/Ravensberg erhalten hat, die im Bistum Osnabrück in Bersenbrück Eigentum besaßen und zur Osnabrücker Lehnsmannschaft gehörten. Der Aufstieg der Ravensberger musste aber auf Dauer zum Konflikt führen.

 

Der Plan von P.Schmidtz aus dem Jahr 1691 ist die einzig erhaltene, bildliche Darstellung der Burg Vechta. Für die Zeit davor liegen nur Grundrisspläne vor. Schmidtz zeigt die Burg im Zustand der Zerstörung, nach dem Stadtbrand von 1684. Die Burg wurde zu dieser Zeit zugunsten der neuzeitlichen Festungsanlage – der Zitadelle Vechta im Westen der Stadt – abgetragen. Ihre Lage in der Stadt und ihre Konstruktion machte sie zum Gefahrenherd für die fürstbischöfliche Zitadelle. Die Burg musste verschwinden.

Die Darstellung von Schmidtz spiegelt den Zustand der Burg nach vielfachen Zerstörungen und Wiederaufbauten des 17. Jahrhunderts wieder (1538 oldenburgischer Überfall, 1591 spanischer Überfall, Dreißigjähriger Krieg). In dieser Zeit büßte die Burg nach und nach ihre landesherrliche Bedeutung ein und war nur noch Verwaltungdssitz des Drosten/Amtmannes des Fürstbischofs von Münster. Die ursprünglichen, zu vermutenden Steinbauten des 13./14. Jahrhunderts hatte man durch einfache Fachwerkbauten ersetzt. Nur noch der massive Burgturm und Teile der Burgmauern lassen die alte mittelalterliche Anlage erahnen. Die Ursprünge der Burg Vechta im 11. Jahrhundert liegen im Dunkeln. Dieses konnte auch durch mehrere archäologische Ausgrabungskampagnen nur begrenzt erhellt werden. Für den Nachbau „Castrum Vechtense“ mussten allgemeine wissenschaftliche Erkenntnisse, historische Quellen und archäologische Befunde und Funde aus dem norddeutschen Raum herangezogen werden.